Landschaftsgärtnerin und Autorin Martina Meidinger bloggt über Gartenerlebnisse, Pflanzideen und Veranstaltungen für Grünfinger im Großraum München.

Dienstag, 18. März 2014

Hortensien schneiden - es ist kompliziert ;)

Regelmäßig entspinnen sich unter Hobbygärtnern spannende Debatten über die vermeintlich "richtige" Pflege der Gartenpflanzen. Zum Beispiel über Schwertlilien, die wahlweise auf absolut trockenen oder eher frischen Böden oder gar am Wasserrand stehen sollten oder über Clematis, die entweder radikal oder überhaupt nicht oder vielleicht nur ein bisschen geschnitten werden müssen. Die Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse rühren daher, dass da gerne ganze Pflanzengattungen über einen Kamm geschoren werden. Tatsächlich gibt es aber oft innerhalb der Pflanzengattungen zig verschiedene Arten und von denen wiederum unzählige Sorten, welche sich in ihren Ansprüchen mehr oder weniger stark unterscheiden. 

Hydrangea macrophylla `Bodensee´

Was die Gattung Hydrangea, also die Hortensien betrifft, bekommt man hier neben den unterschiedlichsten Hinweisen über ihre Bodenansprüche vor allem zum Schnitt eine ganze Palette an Ratschlägen von "die soll man auf gar keinen Fall schneiden" bis hin zu "die muss man unbedingt im Frühjahr stark einkürzen". Ja was denn nun?! Im Prinzip ist jeder dieser Tipps richtig, man sollte ihn nur auf die passende Hortensien-Art anwenden. Die meisten Hydrangeas blühen am älteren Holz, also nach einem Schnitt im Frühjahr sieht es in der aktuellen Saison schlecht aus mit dem Flor. Konkret gilt das für die Bauern- und einige Sorten der Tellerhortensien (Hydrangea macrophylla, Hydrangea serrata) sowie die verschiedenen Samthortensien (H. sargentiana, H. aspera, H. villosa). Wobei es bei den Bauern- und Tellerhortensien Ausnahmen gibt, welche sowohl am einjährigen als auch am zweijährigen Holz blühen, also nach einem moderaten Rückschnitt durchaus noch Blüten bilden können. Dennoch werden diese Arten allesamt wenig bis gar nicht geschnitten. Selbstverständlich nimmt man abgestorbene oder kranke Pflanzenteile heraus und besonders dicht verzweigte Sträucher sollten hin und wieder ausgelichtet werden - was sich allerdings durch die Wegnahme des oft sehr reichlich vorhandenen Totholzes fast von selbst erledigt. Ebenfalls nur ausgelichtet werden Kletterhortensie (Hydrangea petiolaris) und Eichenblatthortensie (Hydrangea quercifolia). Wobei man diese Gattungen durchaus mal mit einem kräftigen Schnitt verjüngen kann, weil hier ohnehin der Blattschmuck-Aspekt im Vordergrund steht. Da kann eine weniger blütenreiche Saison gut verkraftet werden, wenn anschließend die Wuchsform wieder passt.

Eichenblatthortensie in Herbstfärbung

Ganz anders sieht es bei den Arten aus, die am einjährigen Holz blühen. Diese profitieren von einem starken Rückschnitt, blühen aber auch, wenn sie nicht geschnitten werden. Es handelt sich hier um die Rispen-Hortensie (H. paniculata) und die Ball- oder Wald-Hortensie (H. arborescens). Jedoch gibt es von der Rispen-Hortensie mindestens zwei Sorten (`Dharuma´ und `Praecox´), die unüblicherweise am vorjährigen Holz blühen, also besser nicht eingekürzt werden sollten. Ansonsten verträgt die Rispen-Hortensie aber sowohl einen kräftigen, als auch einen moderaten Rückschnitt - man kann es sich also aussuchen. 2012 habe ich meine H. paniculata `Limelight´ aus Zeitmangel nicht geschnitten, was sie mir mit einer großen Blütenanzahl quittiert hat. Allerdings waren die Blüten recht klein und der Habitus wurde im Lauf des Jahres etwas unförmig. Letztes Jahr habe ich sie also mal ganz radikal geschnitten. Das Ergebnis waren sehr hohe, schlanke Sträucher mit wenigen, aber dafür extrem großen Blütenrispen, die nicht wie im Vorjahr gleichmäßig verteilt waren, sondern eher auf einer Höhe lagen. Die Endhöhe der Jahrestriebe lässt sich also durch den Schnitt kaum beeinflussen und mir ist aufgefallen, dass die Frühjahrsblüher zwischen den Hortensien danach viel besser zur Geltung kamen - sogar eine verschollen geglaubte Anemone ist wieder aufgetaucht, was ich jetzt einfach mal den verbesserten Lichtverhältnissen nach dem Schnitt zuschreibe.

Hydrangea paniculata `Bridal Veil´

Bei Hydrangea arborescens (Wald-Hortensie, Ball-Hortensie) ist ein Schnitt auch nicht unbedingt nötig, aber sehr ratsam, weil die großen Blüten auf den dünnen Stielen ansonsten etwas unelegant herumhängen. Ein kräftiger Rückschnitt im Frühjahr bewirkt, dass die Pflanze schön kompakt bleibt und die Blütenfülle auch stabil tragen kann. Der deutsche Name Ball-Hortensie wird übrigens nur für großblumige Sorten wie `Annebelle´, `Grandiflora´, `Incrediball´ oder `Invincibelle´ verwendet - auf die Wildform und die kleinblütigen Sorten würde er auch nicht gut passen. Diese sind zwar selten im Handel, aber man sollte trotzdem wissen, dass es auch sehr natürlich wirkende Arborescens-Sorten wie `Hills Of Snow´ gibt, bei denen so ein Schnitt aus Stabilitätsgründen völlig unnötig ist. Es gibt allerdings auch Verfechter des Nicht-Schneidens der großblütigen Sorten, weil die Blüten dann kleiner bleiben und somit auch für die Pflanze besser zu halten sind - ich frage mich allerdings, wieso man überhaupt großblumige Sorten verwendet, wenn man dann dafür eine Schnitttechnik anwendet, die die Blütengröße geringer halten soll.

Hydrangea arborescens `Invincibelle´

Dass es noch weitere Hortensien-Arten gibt, die ich hier nicht erwähnt habe und dass die deutschen Bezeichnungen der verschiedenen Hydrangeas sehr uneinheitlich verwendet werden (vor allem die Namen Bauern- und Teller-Hortensie werden gerne artübergreifend benutzt) macht das Thema auch nicht einfacher. Wichtig ist also, dass man weiß, welche Hortensien-Arten man im Garten stehen hat und wenn man sich da nicht sicher ist, kann man das Blühverhalten auch einfach mal beobachten, verschiedene Schnitttechniken ausprobieren und über die Ergebnisse Buch führen. Bestimmt habt Ihr auch interessante Erfahrungen beim Hortensien schneiden gemacht - ich freue mich über Eure Kommentare!

Samthortensie als Blickfang am Ende des Weges

Hinweis zu den Pflanzennamen: wie bei vielen anderen Gattungen auch, sind die Namen bei den Hortensien oft nicht eindeutig zuzuordnen. Vor allem die deutschen Namen werden gerne unterschiedlich oder artübergreifend benutzt. Uneinigkeit über Arten- und Sortenzugehörigkeit gibt es vor allem bei den Samthortensien. Selber fehlt mir Zeit und Muße, hier immer auf dem Laufenden zu bleiben und die neuesten Änderungen sofort zu übernehmen. Ich halte es daher so, dass ich die gebräuchlichsten Bezeichnungen aus den aktuellen Baumschulsortimenten übernehme. Das ist zwar nicht immer botanisch korrekt, aber immerhin dient es Laien als Orientierungshilfe, wenn sie die besprochenen Pflanzen käuflich erwerben wollen.

Über die verschiedenen Arten und Sorten dar Gattung Hydrangea habe ich eine Vortrag im Programm, der ebenfalls keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, sondern als praktische Hilfe für Hobbygärtner gedacht ist: Farbe im Schattenbeet - Hortensien-Arten für jeden Garten

Kommentare:

  1. Ha, dann habe ich am Sonntag die Limelight unserem Standort entsprechend intuitiv einigermaßen richtig geschnitten ;-) Ich hatte mich zwar gewundert, dass ich im letzten Jahr kleinere Blüten hatte, da ich meist nur 2 bis 3 Augen unter der alten Blüte geschnitten hatte, aber mit dem Gesamtergebnis war ich als große Kübelpflanze recht zufrieden. Und der Sommer war so trocken, dass ich die kleineren Blüten darauf schob. Jetzt habe ich also die Erklärung :-) Und weiß, dass es die geschickte Mischung macht …
    Danke für die Infos!
    LG Silke

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  2. Hallo, Frau Meidinger,
    das ist ein guter Beitrag zu den Schnittregeln bei den Hortensien. Auch ich bin manchmal nicht sicher, wie ich meine Hortensien schneiden soll. Meine H. pan. schneide ich bisher immer stark zurück und habe damit fast immer guten Erfolg - prächtige große Blüten bei den Sorten Limelight, Phantom, Grandiflora, Vanille Fraise. Nur 2 andere Sorten pan. den Namen ich gerade nicht mehr weiß, die blühen meist nicht mehr oder kommen so spät, sodass sie vorher erfrieren. Die H. arb. Annabell weiß oder rosa schneide ich ebenfalls total herunter - sie blühen immer reichlich und schön, nur die rosa Sorte ist sehr schwachstielig, und läßt ihre Blüten hängen trotz Aufbinden. Bei den H. mac. habe ich wenig Blüherfolg trotz richtigem Schnitt, sie erfrieren meist zu stark zurück, außer in diesem milden Winter habe ich noch Hoffnung, was passiert. Die Eichenblatt-H. hatte 4 Jahre überhaupt nichts getan, dann nach dem strengsten Winter vor 3 Jahren hatte zum 1. Mal wunderschön geblüht. Ich konnte es kaum glauben, nach so einem strengen Winter auf Ostseite,wo immer der Schnee weggeweht wurde.
    Mit frdl. Grüßen Ilona

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