Landschaftsgärtnerin und Autorin Martina Meidinger bloggt über Gartenerlebnisse, Pflanzideen und Veranstaltungen für Grünfinger im Großraum München.

Dienstag, 8. März 2016

Prima Klima für Lenzrosen: Deutscher Gartenbuchpreis 2016

Helleborus im Schlosspark Dennenlohe
Dank dem milden Winter dauert ihre Blütezeit diesmal extra lang und hier konnten sie in besonders vielen Variationen bewundert werden: die Lenzrosen (Helleborus) waren die Stars bei der diesjährigen Verleihung des Deutschen Gartenbuchpreises, der am 4. März bereits zum zehnten Mal auf Schloss Dennenlohe vergeben wurde. Nicht nur im weitläufigen Schlosspark, der mit 26 Hektar als größter privater Landschaftspark in Süddeutschland gilt, sondern auch in den auf der Veranstaltung prämierten Büchern spielten die prachtvollen Stauden eine wichtige Rolle. So konnte Christine Becker mit ihrem selbst verlegten Werk Helleborus 1485-1905 nicht nur den ersten Platz in der Kategorie "Bestes Garten- und Pflanzenporträt" ergattern, sie räumte auch noch den mit 5000 Euro dotierten Stihl-Sonderpreis für außergewöhnliche Leistungen ab. Alle weiteren Preisträger und Buchtitel sind hier aufgelistet. Der European Garden Book Award und der European Garten Photo Award wurden ebenfalls an diesem Abend vergeben. Leider waren nicht alle Gewinner persönlich anwesend, aber jene die vor Ort waren durften auch ein paar Worte zur Entstehung ihrer Bücher sagen. Besonders amüsant fand ich das Ehepaar Kriemhild und Aloys Finken, die gemeinsamen Verfasser von Klostergärten - Paradiese der Stille aus dem Thorbecke-Verlag. Ihren lustig geschilderten Gartenreise-Erlebnissen hätte ich gerne noch länger gelauscht. Ebenfalls sehr sympathisch erschien Kosmos-Autorin Elisabeth Schmid, die mit Zwiebelblumen - Ganzjährig Beete gestalten den dritten Platz in der Kategorie "Bester Ratgeber" belegte und humorvoll die Gelegenheit nutzte, die unzureichenden Pflanzenkenntnisse mancher Landschaftsarchitekten anzuprangern, obwohl sie damit im Publikum stellenweise Entrüstung auslöste. Herbert Frei-Schindler, der mit seinem bei DVA erschienenen Buch Der Hanggarten eines passionierten Pflanzensammlers nicht nur den dritten Platz in der Kategorie "Bestes Garten- und Pflanzenporträt" erreichte, sondern auch mit dem in dieser Anlage aufgenommenen Foto "Early Summer Morning" Platz 2 beim European Garden Photo Award belegte, überraschte mit der Aussage, dass er ursprünglich gar keinen Garten haben wollte. Seine Darstellung, wie er auf Bitten seiner vielbeschäftigten Gattin Gießdienste und andere kleinere Aufgaben im Garten übernahm und daraufhin seine Gartenleidenschaft entdeckte, ließ Hoffnung aufkeimen bei allen, die es bisher nicht geschafft haben, ihren Lebensgefährten das Gartenhobby näher zu bringen. Sat.1-Moderatorin Eva Grünbauer führte charmant durch den kurzweiligen Abend, bei dem zwischen den einzelnen Prämierungen auch kulinarisch etwas geboten war.

In den Pausen gab es immer wieder Gelegenheit, in den zahlreichen Gartenbuch-Neuerscheinungen zu schmökern oder mit Autoren und Verlagsleuten ein paar Worte zu wechseln. Leider war das von Evi Pelzer und mir verfasste Buch Rosengärten zum Verlieben entgegen unserer Information nicht unter den Einsendungen, weil der Auftrag dazu offenbar im Auslieferungslager des Verlags übersehen worden war. Immerhin konnten wir so die Menge der zu Bewertung stehenden Bücher etwas reduzieren ;)) Schon im Vorfeld gab es nämlich auf der Facebook-Seite des Deutschen Gartenbuchpreises imposante Bücherstapel zu sehen. Die hochkarätig besetzte Experten-Jury hatte es sicher nicht leicht, aus dieser Fülle der Einreichungen die Preisträger zu bestimmen. Nicht weniger professionell agierte auch die von der Zeitschrift Mein schöner Garten gewählte dreiköpfige Leserjury, der diesmal gleich 2 Gartenblogger angehörten. Das Trio durfte ebenfalls einen Ratgeber auszeichnen und entschied sich für Das große Ulmer Gartenbuch von Wolfgang Kawolleck, welches 2015 in der 5. Auflage erschienen ist. Der Autor hat für die überarbeitete Ausgabe unter anderem seine Sortenempfehlungen aktualisiert und um aussichtsreiche Neuheiten, vor allem bei den Nutzpflanzen, ergänzt. Es lohnt sich also, solche Standardwerke immer wieder zu verbessern, was auch von Ulmer-Lektorin Helen Haas bei der Preisübergabe erfreut zur Kenntnis genommen wurde. Interessante Einblicke in die Arbeit der Leserjury gibt es in den Blogs von Gartenbuddelei und Parzelle94, wo auch viele schöne Fotos von der Veranstaltung zu sehen sind.
Brücken, Stege, Inseln -  malerische Wasserlandschaft im Park
Eine besondere Attraktion für frühzeitig angereiste Gäste war die Gartenführung, die vom Schlossherrn Baron von Süsskind bereits am Nachmittag angeboten wurde. Der kurze Rundgang durch den Park wurde im Schnelldurchlauf absolviert, denn danach stand auch noch die Eröffnung der Internationalen Gartenbibliothek auf dem straffen Programm. Dennoch war die Runde durch den abwechslungsreich gestalteten Schlosspark beeindruckend genug, um uns und andere Teilnehmer zu einem erneuten Besuch dort zu motivieren.
Krokusse und Hühner auf der Wiese vor dem Schloss

Wir sind nur noch unschlüssig, ob wir uns im Frühling den Flor der über 500 Rhododendron- und Azaleensorten  oder lieber die eindrucksvoll auf einem Hügel gepflanzten, zahlreichen Rosensträucher zur frühsommerlichen Blütezeit anschauen wollen - oder beide Ereignisse nacheinander. Einen Besuch im Herbst konnten wir uns inmitten der vielen seltenen laubfärbenden Gehölze auch sehr schön vorstellen. Der Park ist von Karfreitag bis Anfang November geöffnet, hier das Veranstaltungsprogramm und weitere Informationen.

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